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Carl Langbein - Der
Naturalist
Carl Langbein (1816 - 1881), Namensgeber und Begründer der
im "Haus des Gastes" gezeigten Sammlung, entstammte einer
seit dem ausgehenden 17. Jahrhundert in Hirschhorn ansässigen
Bäcker- und Gastwirtsfamilie.
In den 30er Jahren führten den jungen Langbein zahlreiche Geschäftsreisen
ins Rheinland und benachbarte Holland, in den 40er Jahren in den
pfälzischen und württembergischen Raum. Zunächst
überwiegend im Holz- und Getreidehandel tätig, verlegte
er sich später auch auf den Rinderhandel.
Im Verlauf der 1840er Jahre ließ sich Langbein in seiner Heimatstadt
als Gastwirt nieder. 1858 heiratete er die ebenfalls aus Hirschhorn
stammende Maria Götzen. Aus jener Zeit datieren auch die Anfänge
seiner Sammlung. Ohne sich auf ein bestimmtes Sammelgebiet zu beschränken,
erwarb Langbein nach und nach eine stattliche Anzahl von Kunstgegenständen
der verschiedensten Epochen und Sparten, wobei wohl der überwiegende
Teil aus Hirschhorn und seiner Umgebung stammte. Mehrere Hundert
von ihm selbst gefertigte Tierpräperate (überwiegend heimische
Vögel), Mollusken und Mineralien vervollständigen die
Naturalien- und Altertümersammlung". Als besondere Attraktion
schmückte sie die Räume seines Gasthofes. Nicht ohne Stolz
nannte Langbein sich fortan "Naturalist" und seinen Gasthof
"Zum Naturalisten" (1969 abgebrochen, heutiges Bürgerhaus).
Er erfreute sich nicht nur eines ausgezeichneten Rufes als Gastronom,
sondern tat sich durch zahlreiche andere Aktivitäten der unterschiedlichsten
Art hervor: Angeregt durch seine Sammlung betrieb Langbein heimatgeschichtliche
Studien, versuchte sich als Zeichner und erwies sich bei der Restaurierung
und Neuanfertigung von Möbelstücken als geschickter Kunsthandwerker.
Gegen Ende seines Lebens galt sein Hauptaugenmerk der Planung und
Erbauung einer "Phantasieburg", die der Aufnahme seiner
mittlerweile umfangreichen Sammlung dienen sollte. Das in neogotischen
Stilformen entworfene Gebäude, von den Hirschhornern bald nur
noch "Karlsburg" genannt, blieb jedoch, ebenso wie die
gleichfalls noch geplante Inventarisierung der Sammlung - bedingt
durch den Tod Carl Langbeins am 16. Oktober 1881 - unvollendet.

Die Geschichte der "Naturalien-
und Altertümersammlung"
Im August des Jahres 1903
übereignete Ida Langbein (1833-1910) als Erbin ihres Bruders
Carl die Sammlung den Großherzoglichen Haus (heute Land Hessen)
und verfügte testamentarisch, daß sie "in dem hiesigen
Schloßgebäude untergebracht und für ewige Zeiten pietätvoll
behandelt, verwaltet und dem Publikum zur Besichtigung zugänglich
gemacht" werde.
In Entsprechung des Wunsches der Stifterin war von 1909-1957 das Langbein'sche
"Raritätenkabinett" im Rittersaal des Hirschhorner
Schlosses zu besichtigen. Mit der Umgestaltung des Schlosses in ein
Hotel (1957-1959) war der Fortbestand des Sammlung in ihrer bisherigen
Form erheblich gefährdet. Aus Platzgründen mußte ein
Großteil der Exponate ins sogenannte Torwärterhäuschen"
ausgelagert werden, anderes diente zur Dekoration der Restaurierungsräume.
Die Tierpräperate fanden auf dem Speicher der Hirschhorner Schule
ein notdürftiges neues Domizil. Die folgenden zehn Jahre waren
durch die sich schwierig gestaltende Diskussion über das weitere
Schicksal der Langbein-Sammlung gekennzeichnet.
Erst mit dem Erwerb des ehemaligen Forstamtsgebäudes ("Haus
des Gastes") im Jahre 1969 durch die Stadt Hirschhorn zeichnete
sich eine für alle Seiten befriedigende Lösung ab:
1977-82 wurde das unter Denkmalschutz stehende Gebäude Alleestraße
2 (ein im Jahre 1806 errichteter klassizistischer Bau) umfassend renoviert.
Man bestimmte das Erdgeschoß zur Aufnahme des Verkehrsvereins
und der Stadtbücherei, das Obergeschoß und Dachgeschoß
zur Präsentation der Langbein-Sammlung. Dem Engagement des 1980
gegründeten "Freundeskreis Langbein'sche Sammlung Heimatmuseum
Hirschhorn" war es zu verdanken, daß die dringend notwendige
Inventarisierung und Restaurierung (finanziert durch die Verwaltung
Burgen und Schlösser des Landes Hessen) der jahrzehntelang unsachgemäß
gelagerten Museumsstücke in Angriff genommen wurde. Als nächstes
galt es ein geeignetes Museumskonzept zu erarbeiten und die Ausstellungsräume
zu gestalten.
Die Vorarbeiten waren am 21. September 1985 insoweit abgeschlossen,
das das Langbein Museum feierlich eröffnet werden konnte.
Sammlungsschwerpunkt
Der besondere Reiz der
Langbein'schen Sammlung liegt gerade in ihrer für den heutigen
Betrachter überraschenden Vielfalt. Ergebnis einer Sammelweise,
die nur aus dem Kunst- und Geschichtsverständnis des 19. Jahrhunderts
heraus begriffen werden kann.
An Sammelgebieten sind im Museum vertreten:
- Skulpturen
- Architektur- und Altarfragmente
(16.-19. Jahrhundert)
- Malerei und Graphik
(17.-19. Jahrhundert)
- Kunstgewerbliche Objekte
(18.-19. Jahrhundert)
- Religiöse Klein-
und Volkskunst (18.-19. Jahrhundert)
- Möbel (16.-19.
Jahrhundert)
- Textilien (18.-19.
Jahrhundert)
- Waffen, Jagdgerät
und Jagdtrophäen (18.-19. Jahrhundert)
- Gebrauchsgegenstände
(17.-19. Jahrhundert)
- Umfangreiche Münz-
und Büchersammlung
Von besonderer Bedeutung
sind Teile der Bibliothek (z.B. ein Antiphonarium aus dem 14. Jahrhundert)
und der künstlerischen Ausstattung (Reste des barocken Hochaltars
1761/62, Mobilar aus dem Refektorium, Fragmente eines Renaissancegrabmals,
1608) des ehemaligen Karmeliterklosters Hirschhorn. Eine weitere
Attraktion stellt das aus rund 180 Tierpräperaten bestehende
Diorama dar, das einen eindrucksvollen Überblick über
die heimische, in einigen Fällen vom Aussterben bedrohte Tierwelt
bietet.
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