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Kirchen

Eine Besonderheit Hirschhorns ist die Anzahl von vier Kirchen im Verhältnis zur Größe der Stadt, was sich aus der bewegten Kirchengeschichte Hirschhorns erklären läßt. Auf dieser Seite präsentieren wir Ihnen Impressionen und Informationen dieser historischen, heute noch genutzten Bauwerke.

Evangelische Kirche

Ende des 17. Jahrhunderts war die protestantische Gemeinde Hirschhorn im Zuge der Gegenreformation untergegangen. Nachdem 1802 Hirschhorn an Hessen Darmstadt gefallen war, entstand allmählich wieder eine evangelische Gemeinde, vor allem durch Zuzug der protestantischen hessischen Beamten.

1854 wurde ein Betsaal im Schloß eingerichtet und die Gemeinde erhielt einen eigenen Pfarrverwalter, blieb zunächst jedoch eine Neckarsteinacher Filiale. 1890 wurde sie zur selbständigen Pfarrei erhoben.1891 konnte mit dem Bau der evangelischen Kirche begonnen werden, die 1892 eingeweiht wurde. Die schlanke Kirche ist in neugotischem Stil erbaut, das Innere wurde 1953 farblich neu gestaltet. Der Chor ist mit prächtigen Fenstern geschmückt (Reformatoren, Förderer der Reformation, Auferstehung Christi als Hauptfenster – 1892, Firma Beiler, Heidelberg). 1899 erhielt die Kirche eine Orgel (Wilhelm Sauer, Frankfurt/Oder. W.Sauer gehört zu den drei damaligen Großmeistern des deutschen Orgelbaus), die 1991/92 liebevoll restauriert und auf ihren historischen spätromantischen Klangcharakter zurückgeführt wurde.
In der Reihe der Hirschhorner evangelischen Pfarrer des frühen 20. Jahrhunderts befinden sich bedeutende Persönlichkeiten wie Wilhelm Diehl oder Erwin Preuschen.

Text: Dr. Ulrich Spiegelberg

Katholische Friedhofskirche St. Nazarius und Celsus (Ersheimer Kapelle)

Älteste Hirschhorner Kirche, zugleich erste Hirschhorner Pfarrkirche, ist die Ersheimer Kapelle. Ersheim selbst, 773 urkundlich als Schenkung an das Kloster Lorsch erwähnt, ist der älteste Stadtteil Hirschhorns. Von den Lorscher Klosterheiligen rührt das Nazarius-Patronizium der Kirche. Von einem früh- oder hochmittelalterlichen Vorgängerbau, der urkundlich 1345 erstmals erwähnten gotischen Kirche, muß ausgegangen werden. 1355 erhielt Engelhard I. von Hirschhorn die bischöfliche Erlaubnis, die Kirche zu erweitern bzw. schöner und größer aufzubauen. Bis 1377 waren diese Baumaßnahmen beendet. Wahrscheinlich im 15. Jahrhundert erweitert oder umgebaut, erhielt 1517 die Kirche einen neuen Chor mit prächtigem Netzgewölbe.

Die Hirschhorner Ritter hatten die Ersheimer Kirche reich ausgestattet und zur Präsenz erhoben, die Pfarreien Mückenloch, Schatthausen, Eschelbach, Hoffenheim und Bammental-Reilsheim wurden incorporiert. Als Bergräbniskirche enthält sie wertvolle mittelalterliche Grabmäler der Hirschhorner Ritter, von Pfarrern und Altaristen sowie Hirschhorner Bürgern (14.-17.Jh.). Mit kostbaren Fresken ist sie innen zusätzlich geschmückt. Im 17. Jahrhundert geriet die Kirche in Verfall, 1711 wurde der Glockenturm am Westgiebel abgebrochen und der heute bestehende Dachreiter aufgesetzt. An der Kirche ist außerdem sehenswert die spätgotische Ölbergdarstellung mit eindrucksvollen Figuren, die 1669 von der Klosterstaffel hierher versetzt wurde, sowie der 1412 gestiftete Elendstein, eine Totenleuchte, deren ewiges Licht den Lebenden zur Mahnung, den Toten zum Trost leuchtet. Heute dient die Kirche als Friedhofskirche, ebenso finden an kirchlichen Hochfesten hier besondere Gottesdienste statt.

Zugleich hat die Ersheimer Kapelle noch eine andere Rolle übernommen: sie beherbergt die größte Fortpflanzungskolonie Hessens der größten heimischen 23 Fledermausarten, dem sogenannten Großen Mausohr. Ungefähr 1000 Weibchen ziehen hier über Sommer ihre Jungen auf.

Text: Dr. Ulrich Spiegelberg

Karmeliterklosterkirche Mariae Verkündigung und ehemaliges Karmeliterkloster (katholisches Pfarrzentrum)

Um 1400 begannen die Herren vom Hirschhorn zwischen ihrer Burg und der Stadt eine Kirche und Kloster errichten zu lassen, das sie 1406 dem Karmeliterorden übergaben. Die Stiftung des Klosters und der Kirche, die fortan Grablege des Geschlechtes wurde, sollte das Ansehen und den Reichtum der Stifter repräsentieren, zugleich auch deren Seelenheil dienen. Auch die Klosterkirche wurde kostbar ausgestattet. Noch heute zeugen die Architektur, die Grabmäler und Kunstdenkmäler der Kirche vom Kunstsinn der Hirschhorner Ritter. Unter deren Schutz gelangte das Karmeliterkloster rasch zur Blüte, die Klosterschule konnte eine universitäre Bildung vermitteln.

Ab 1526 wandten sich die Herren vom Hirschhorn der Reformation zu. Die Rechte der Mönche wurden zunehmend beschnitten, bis schließlich der letzte verbliebene Karmeliter des Klosters verwiesen wurde, das dann aufgehoben wurde. Die Ritter bauten die Klosterkirche, die ab 1545 zunehmend auch als Stadtkirche benutzt wurde, nun zur protestantischen Predigerkirche um, indem sie den Lettner niederlegten und als Orgelempore wieder verwandten. Der Karmeliterorden prozessierte um die Rückgabe des Klosters und konnte schließlich 1624/29 Kirche und Kloster zurückerhalten. Mit der Übernahme der Pfarrei durch die Karmeliter diente die Klosterkirche von 1635/36 bis 1732 als Hirschhorner Pfarrkirche.

Im 18. Jahrhundert erfuhr das Kloster ein zweite Blüte. Schönster Ausdruck dafür ist der 1761/65 neu errichtete Hochaltar, dessen von J.M. Düchert geschaffene Figuren zu den bedeutendsten Barockfiguren Hessens zählen. Während der Altar heute zerstört ist, haben sich die Hauptfiguren in der Kirche erhalten. Mit der Säkularisation wurde 1803 das Kloster aufgehoben. Die Kirche, die in der Folge rasch verfiel und 1840 dem Teilabbruch freigegeben wurde, konnte ab 1886 durch die große Opferbereitschaft der Bevölkerung wieder hergestellt werden und 1912 rekonsekriert werden.

In der Klosterkirche finden heute einzelne Gottesdienste statt, jeden Morgen ist sie Ort des Morgenlobes (Laudes), das von den hier als Seelsorger wieder weilenden Karmelitern gehalten wird. Weiterhin finden in der Kirche und im Klosterhof/Kapitelsaal vielbeachtete Konzerte statt.

Vom ehemaligen Karmeliterkloster hat sich das Hauptgebäude erhalten, das heute katholisches Pfarrzentrum und Pfarrhaus ist. Der Kapitelsaal hat noch seine spätmittelalterliche Ausstattung mit kostbaren Fresken (J. Rathgeb oder Umkreis) bewahrt. Die stimmungsvollen Sääle des Pfarrzentrums (Kapitelsaal und ehemaliges Refektorium) können gemietet werden.

Text: Dr. Ulrich Spiegelberg

Katholische Pfarrkirche Zur Unbefleckten Empfängis Mariae (Marktkirche)

Als der letzte Hirschhorner Ritter Friedrich von Hirschhorn die Klosterkirche dem Karmeliterorden zurückgeben musste, ließ er als Ersatz 1628/30 die evangelische Marktkirche errichten, die als solche bis 1636 diente. In der Gegenreformation geschlossen, zuletzt als Heuspeicher genutzt, wurde sie auf Bitten der Bürgerschaft gegen den Widerstand der Karmeliter 1731 als Stadtpfarrkirche wieder eingerichtet, ihre Altäre 1732 geweiht. Aus der Erbauungszeit stammt die Kanzel, die übrige Ausstattung wurde bei der Wiedereinrichtung geschaffen. Einige Figuren wie der hl. Nepomuk und der hl. Sebastian (beide um 1720) kamen wohl schon damals aus der Klosterkirche in die neue Pfarrkirche, andere, wie die des hl. Josef und der Maria wurden nach Auflösung des Klosters übernommen. Im Orgelprospekt von 1733 ist eine neue Orgel integriert (1995, Rieger-Klos, Krnov/Jägerndorf- Tschechien), die in Disposition, Technik, Form und Gestalt einer süddeutschen Barockorgel entspricht. An der Südwand der Kirche steht außen eine Kreuzigungsgruppe mit gemalten Assisstenzfiguren und einem ausdrucksstarken Corpus (Jakob Hohlbusch, Neckarsulm, 1722).

Text: Dr. Ulrich Spiegelberg

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